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Wenn alle perfekt schreiben, wird niemand mehr gelesen.

  • Autorenbild: Sabrina Lettenmaier
    Sabrina Lettenmaier
  • 18. März
  • 1 Min. Lesezeit























„Lebensläufe sind nicht Ihr Ding? Super, wir lesen sie sowieso nicht!“ – heißt es in einer Job-Anzeige von Expensify. Anschließend werden fünf Fragen aufgelistet, die Bewerber beantworten sollen, um berücksichtigt zu werden. Lesen bringt nichts mehr – weil sowieso alles perfekt ist.


Dass KI beeindruckend formulieren kann, wissen wir. Und nicht nur auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich inzwischen eine gewisse Lesemüdigkeit, wenn es um perfekte Texte geht. Egal, ob Hinz oder Kunz schreibt: Dahinter steckt ja doch der fleißigste Ghostwriter der Welt – die KI. Sie hat keine und jede Meinung. Sie mixt aus allem, was sie kennt, einen Durchschnitt zusammen. Das Ergebnis: glatt, korrekt, austauschbar.

Manch einer freut sich inzwischen schon über einen Schreibfehler.


Wer KI-Texte direkt raushaut, gibt die eigene Stimme ab. Und das merkt man. Dabei geht’s auch anders: KI als Werkzeug nutzen, ja – aber erst, wenn der Mensch oder die Marke einmal selbst nachgedacht hat. Eigene, originelle Gedanken. Nicht solche, die bereits mit dem gesamten Internet verdünnt sind.


Welche Haltung steht zwischen den Zeilen? Welcher Wortschatz passt zur Persönlichkeit? Wie viel Strategie, Empathie, Humor, Neugier, Arroganz, Professionalität oder Kindlichkeit steckt im Text? Wie wir sprechen, hat eine Menge damit zu tun, wer wir sind. Spätestens jetzt macht es also Sinn, sich mit dieser fast philosophischen Frage auseinanderzusetzen.


Wenn wir das wissen, kann KI unterstützen. Als Strukturhilfe. Als diejenige, die uns nach dem Mund redet – nicht andersherum. Sie ersetzt nicht die Arbeit am Ton. Sie ersetzt nicht das Nachdenken darüber, wofür ein Mensch oder eine Marke steht – und wie das klingen soll.


KI kann schreiben. Eine Stimme entsteht woanders.

 
 
 

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